Mein Grossvater sass nie an einer Bar. Den Punt-E-Mes bestellte er jeden Sonntag gegen elf uhr am Stammtisch. Er arbeitete in Olten auf dem Gericht, und ich muss sagen, dass ich ihn mir an einer Bar, vertieft in ein Gespräch mit einer Barmaid oder einem Barkeeper, gar nicht hätte vorstellen wollen.
Als ich etwas älter war, traf ich meinen Vater nach der Schule gelegentlich in Karli Odermatts Holzschopf am Claraplatz. Dort hatte es lässige, sportliche Damen und Herren so zwischen 35 und 60. Einige kannten sich aus der Ciba-Geigy und machten nach der Arbeit, also auf dem Nachhauseweg, einen Zwischenstopp bei Karli. Man konnte das als eine Art Apéro oder “es scheisst mich an jetzt schon nach Hause zu gehn” verstehn. Ich war gern dort, denn es gab viel dunkles Holz und gedämpftes Licht. Am liebsten sass ich an der Bar und sagte nicht viel oder gar nichts. Ich sah mir die Etiketten der Flaschen an. Immer und immer wieder ging ich sie durch, und irgendwann wusste ich auch, was wo drin war und woher es kam, und noch später auch wie es war, wenn man es in sich hineinleerte.
Draussen war es dunkel und immer noch um die 27 Grad. Ich war drin, und bestellte mir ein Bier und noch eines . . . und erst gestern bestellte ich im Josef noch eines und dazu einen Vodka und Kay-Zee legte Lightnin’ Hopkins auf, von dem ich weiss, dass er ein konsequenter Gin-Säufer war. Ich kann nicht mal sagen, dass ich wenigstens im Trinken konsequent bin. Ich saufe fast alles, besaufe mich auf internationalem Terrain - und nach jeder Flasche hoffe ich doch, dass ich wieder nach Hause finde, obwohl es dann gar keinen klaren Grund mehr dafür gibt.

Rockmaster K.