Es ist kurz nach zehn, als es an der Tür läutet. Dieser unerträgliche Ton erschreckt mich jedesmal von neuem, und ich fühle mich ohne Grund schuldig wie ein Gangster, der gleich von einer Spezialeinheit abgeführt wird. – “Taxi!” – “Komme!.” Nach 5 Minuten Fahrt bin ich beim Josef, schnappe meinen Plattenkoffer und gehe auflegen. Das Intro macht heute abend Idris Muhammed. Ich zeige Waled, der gleich neben mir hinter der Durchreiche in der Küche steht und die letzten Nachspeisen zubereitet, das Plattencover, denn ich bin der Meinung, dass ein solcher Umschlag seit 9/11 undenkbar ist. – Er sieht das auch so und schiebt mir einen kleinen Teller mit Kartoffelstock und Fisch entgegen. Niemand ausser mir weiss, dass ich eigentlich vor zwei Stunden schon gegessen habe, und darum werde ich diesen leckeren Happen geniessen, solange er noch heiss ist. Kurz nach Mitternacht ist der Küchenstress vorbei. Jetzt steht nur noch ein Riesentopf mit Wasser, Knochen, Gemüsen und einigen Geheimnissen auf kleinster Flamme und köchelt im Dunkeln vor sich hin. Es regnet. Ein Streifenwagen verlangsamt und hält vor der Eingangstür. Was folgt ist eine einstudierte Choreografie zwischen Tamo und dem Gesetz, und ich kröne sie mit Whiskey’n’Women von John Lee Hooker, in der coolen Version mit Canned Heat.
Rockmaster K.